Nach den Protesten: Wie die Kanarischen Inseln einen neuen Weg in der Migrationspolitik beschreiten
Im Oktober 2024 gingen Hunderte Menschen in Santa Cruz de Tenerife und Las Palmas de Gran Canaria auf die Straße. Damals war die Stimmung aufgeheizt, denn die Sorgen um die Überlastung der Aufnahmesysteme für minderjährige Migranten waren groß. Doch heute, ein Jahr später, kann ich Ihnen von einer bemerkenswerten Entwicklung berichten, die zeigt, dass konstruktive Politik tatsächlich Lösungen hervorbringen kann.
Die Demonstrationen im Herbst 2024 waren zwar von Kontroversen begleitet, doch sie markierten gleichzeitig einen Wendepunkt. Während damals rund 2.500 Menschen in beiden Hauptstädten auf die Straße gingen, haben die politischen Entscheidungsträger in den vergangenen Monaten intensiv daran gearbeitet, nachhaltige Lösungen zu finden.
| Fakten | Details |
|---|---|
| Thema | Migrationspolitik und Integration auf den Kanaren |
| Gesetzesreform | März 2025 – Änderung des Ausländergesetzes (Artikel 35) |
| Ankunftszahlen | 43,3% Rückgang in ersten zwei Monaten 2025 vs. 2024 |
| Minderjährige unter Obhut | Über 5.800 (Februar 2025) auf den Kanaren |
| Positive Entwicklungen | Gesetzliche Verteilung, Integrationsprogramme, sinkende Zahlen |
Die Gesetzesreform: Ein Meilenstein für solidarische Lösungen
Im März 2025 trat eine Reform des Ausländergesetzes in Kraft, die ich als echten Durchbruch bezeichnen möchte. Nach monatelangen Verhandlungen zwischen der spanischen Regierung und der Regionalregierung der Kanaren wurde Artikel 35 des Ausländergesetzes geändert. Diese Reform ermöglicht nun eine obligatorische Verteilung unbegleiteter minderjähriger Migranten von den Kanarischen Inseln, Ceuta und Melilla auf alle autonomen Gemeinschaften Spaniens.
Das neue Gesetz legt klare Kriterien fest: Die Verteilung basiert auf Faktoren wie Bevölkerungszahl, Pro-Kopf-Einkommen, Arbeitslosenquote und bereits geleisteter Vorarbeit. Im April 2025 wurde die Reform vom Kongress mit 179 Ja-Stimmen gegen 170 Nein-Stimmen und einer Enthaltung bestätigt. Präsident Fernando Clavijo nannte es einen „wichtigen und glücklichen Tag“ für Spanien und die Inseln.
Besonders bemerkenswert finde ich dabei, dass alle politischen Gruppen im kanarischen Parlament – mit Ausnahme von Vox – geschlossen hinter dieser Reform stehen. Das zeigt mir, dass trotz unterschiedlicher politischer Ausrichtungen ein gemeinsamer Wille existiert, humanitäre Lösungen zu finden.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Deutlicher Rückgang der Ankünfte
Was mich besonders hoffnungsvoll stimmt, sind die aktuellen Statistiken des spanischen Innenministeriums. Die irregulären Ankünfte auf den Kanarischen Inseln sind in den ersten beiden Monaten des Jahres 2025 um beachtliche 43,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Konkret bedeutet das: Bis zum 15. Februar 2025 erreichten 6.622 Menschen die Inseln, während es im gleichen Zeitraum 2024 noch 11.672 waren.
Dieser Trend setzte sich im ersten Halbjahr 2025 fort. Mit einem Rückgang von 41,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr kamen 11.321 Menschen auf den Kanaren an – deutlich weniger als die 19.262 im ersten Halbjahr 2024. Diese Entwicklung entlastet die Aufnahmesysteme spürbar, auch wenn die Herausforderungen selbstverständlich weiterhin bestehen.
Integration statt Isolation: Erfolgreiche Programme vor Ort
Was mir bei meinen Recherchen besonders aufgefallen ist, sind die zahlreichen erfolgreichen Integrationsprojekte, die oft unter dem Radar der großen Medien ablaufen. Der Bildungsrat Poli Suárez berichtete kürzlich, dass die Zusammenarbeit mit minderjährigen Migranten in den Schulen ausgesprochen gut funktioniert. „Wir haben mehr als 200 Bildungszentren besucht, und die Zusammenarbeit ist sehr gut“, betonte er.
Das Programm „Contigo“ („Mit dir“) ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie Integration konkret gelingen kann. Seit 2019 auf Gran Canaria, Teneriffa, Lanzarote und Fuerteventura aktiv, bietet es individualisierte Begleitung für unbegleitete minderjährige Migranten. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: 70 Prozent der betreuten Personen äußerten sich in Zufriedenheitsumfragen positiv über ihre sozio-pädagogische Integration.
Auch das Projekt „Transpirenaica Social“ zeigt neue Wege auf. Minderjährige Migranten aus den Kanaren durchquerten dabei Teile der Pyrenäen auf einer 700 Kilometer langen Route – ein körperliches Abenteuer, das gleichzeitig Werte wie Zusammenhalt und gegenseitigen Respekt vermittelt.
Herausforderungen bleiben, doch der Weg stimmt hoffnungsvoll
Selbstverständlich möchte ich nicht verschweigen, dass weiterhin erhebliche Herausforderungen bestehen. Die Kapazität der 86 Aufnahmezentren auf den Kanaren liegt im Durchschnitt bei 123 Prozent Auslastung, mit Spitzenwerten von 160 Prozent. Das Inselregierung musste deshalb im Februar 2025 erneut den Notstand ausrufen, um zusätzliche Ressourcen mobilisieren zu können.
Auch die Finanzierung bleibt ein kritisches Thema. Vizepräsident Manuel Domínguez wies darauf hin, dass die Kanaren 2024 insgesamt 192 Millionen Euro ausgaben, aber nur 50 Millionen vom Staat erhielten. Hier besteht eindeutig noch Nachholbedarf.
Dennoch überwiegt für mich der positive Eindruck. Die Tatsache, dass die Schulen berichten, wie „sich die Zusammenarbeit in der Klasse verbessert hat“, dass Gemeinden wie Artenara aktiv die Aufnahme von rund 30 Kindern angeboten haben, und dass professionelle Integrationsprogramme Früchte tragen – all das zeigt mir, dass die kanarische Gesellschaft ihre humanitäre Verantwortung ernst nimmt.
Ein Blick nach vorn: Solidarität und strukturelle Lösungen
Was können wir aus dieser Entwicklung lernen? Zunächst einmal, dass Proteste und berechtigte Sorgen nicht ignoriert werden dürfen. Die Demonstrationen vom Herbst 2024 haben ein ernsthaftes Problem sichtbar gemacht. Gleichzeitig zeigt die Reaktion darauf, dass konstruktive politische Lösungen möglich sind, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen.
Die Reform des Ausländergesetzes schafft nun einen strukturellen Rahmen, der verhindert, dass einzelne Regionen dauerhaft überlastet werden. Die sinkenden Ankunftszahlen geben den Aufnahmesystemen etwas Luft zum Atmen. Und die vielfältigen Integrationsprogramme zeigen, dass es möglich ist, aus einer Herausforderung auch eine Chance zu machen.
Für Sie als Leserinnen und Leser bedeutet das: Ja, die Migration bleibt ein Thema auf den Kanarischen Inseln. Aber nein, es ist kein unlösbares Problem. Die Entwicklung des vergangenen Jahres beweist, dass mit politischem Willen, gesellschaftlichem Zusammenhalt und strukturellen Lösungen positive Veränderungen möglich sind.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie hat sich die Situation für minderjährige Migranten auf den Kanaren seit 2024 verändert?
Die Situation hat sich durch mehrere Faktoren verbessert: Im März 2025 trat eine Gesetzesreform in Kraft, die eine obligatorische Verteilung der Minderjährigen auf alle spanischen Regionen ermöglicht. Zudem sind die Ankunftszahlen im ersten Halbjahr 2025 um über 41 Prozent gesunken. Gleichzeitig wurden zahlreiche Integrationsprogramme ausgebaut, die zu einer besseren Eingliederung in Schulen und Gesellschaft beitragen.
Funktioniert die Integration von minderjährigen Migranten in den kanarischen Schulen?
Nach Aussage des Bildungsrates Poli Suárez funktioniert die Integration sehr gut. In über 200 besuchten Schulen wurde von einer positiven Zusammenarbeit berichtet. Die Regionalregierung investiert jährlich rund 5 Millionen Euro in Sprachförderung, was als Schlüssel für eine erfolgreiche Integration gilt. Lehrkräfte berichten, dass die kulturelle Vielfalt sogar die Klassendynamik verbessert hat.
Was regelt das neue Ausländergesetz konkret?
Die im März 2025 in Kraft getretene Reform des Artikels 35 des Ausländergesetzes legt fest, dass unbegleitete minderjährige Migranten von überlasteten Regionen wie den Kanaren, Ceuta und Melilla auf alle autonomen Gemeinschaften Spaniens verteilt werden müssen. Die Verteilung erfolgt nach objektiven Kriterien wie Bevölkerungszahl, Wirtschaftskraft und bereits geleisteter Aufnahmearbeit. Ziel ist eine solidarische Lastenverteilung im gesamten Land.
Warum sind die Ankunftszahlen 2025 so stark gesunken?
Für den Rückgang der Migrantenzahlen gibt es laut Experten der Internationalen Organisation für Migration (IOM) mehrere Gründe. Diese reichen von verbesserten Abkommen mit Herkunftsländern über verstärkte Kontrollen bis hin zu veränderten Routen. Wichtig ist jedoch zu betonen, dass Migration ein komplexes Phänomen bleibt, das von vielfältigen Faktoren wie wirtschaftlichen Bedingungen, Konflikten und Klimaveränderungen beeinflusst wird.
Aktualisiert am: 17. November 2025

One thought on “gegen die illegale Einwanderung auf die Kanarischen Inseln”
Comments are closed.